Konsumkritik

“Minimalisten schädigen die Wirtschaft!” – welcher Minimalist hat diese Aussage nicht bereits gehört? Dies ist leider nicht die einzige Aussage die im Raum steht und schlichtweg nicht die ganze Wahrheit ist. Auch Minimalisten kaufen ein, allerdings würde ich behaupten sie tun dies sehr viel bewusster als die meisten Nicht-Minimalisten. Und – nicht nur Minimalisten kaufen Lebensmittel regional, saisonal und in Bioqualität ein. Aber was bedeutet das überhaupt? Regional bedeutet, dass die Lebensmittel aus der Region stammen. Saisonal bedeutet, dass das jeweilige Lebensmittel nicht ganzjährig wächst und – zumindest bei uns – nur zu bestimmten Zeiten im Jahr wächst.

Bezüglich Bioqualität schreibt Wikipedia folgendes:

“Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm angebaut. Tierische Produkte stammen von Tieren, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung gehalten werden und in der Regel nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden.”

[Zitat: https://de.wikipedia.org/wiki/Bio-Lebensmittel]

Eine Ananas beispielsweise ist schon um die halbe Welt geflogen bevor sie im Supermarkt deiner Wahl verkauft wird, viele Lebensmittel werden unreif gepflückt und reifen auf dem Weg zu uns nach, von der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln fange ich besser gar nicht erst an – ist das ökologisch sinnvoll? Ist das gesund? Viele Lebensmittel wachsen aufgrund der klimatischen Bedingungen eben nicht bei uns und werden importiert, was generell mit einem größeren Aufwand verbunden ist. Ein Mensch “muss” nicht zwangsläufig Minimalist sein um seine Umwelt dahingehend zu schonen.

Benötigte Kleidungsstücke werden z.B. gebraucht erworben oder bei Unternehmen gekauft, die sie unter fairen und vertretbaren Bedingungen bezahlen und produzieren. Kaputte Kleidungsstücke werden repariert. Und auch kaputte Gegenstände bekommen Chancen. Allgemein ist bekannt, dass Geräte nicht mehr so produziert werden, dass sie ewig halten. Betriebssysteme werden ab einem gewissen Alter nicht mehr mit Updates versorgt, was zwangsläufig früher oder später zu Sicherheitslücken führt.

Konsum bezieht sich für mich nicht nur auf Lebensmittel, Kleidungsstücke und Gegenstände – nein auch Medienkonsum gehört für mich absolut dazu. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis schwören immer mehr Menschen dem Fernsehen- und Nachrichtenkonsum ab, auch diejenigen, die sich selbst nicht als Minimalisten bezeichnen. Ein paar haben ihren Fernseher seit Jahren nicht mehr angehabt oder besitzen gar keinen mehr. Wie gesagt: Nicht nur unter den Minimalisten wird dem Medienkonsum zunehmend abgeschworen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass – sobald man in der Schiene des bewussten Konsums einmal drin ist, was überhaupt nichts Schlechtes ist – im Gegenteil! – das automatisch sich auf alle anderen Bereiche auswirkt.

Primär geht es um die folgenden Fragen: Brauche ich das wirklich? Macht mich das glücklich? Möchte ich das in meinem Leben haben?

Schon gewusst?

Im Jahr 2016 stand Deutschland auf Platz 4 der Länder mit den höchsten Konsumausgaben. Auf Platz 1 tummelten sich die Vereinigten Staaten, Platz 2 und 3 wurden von der Volksrepublik China und Japan belegt. Diese Liste umfasst 174 Länder – und Deutschland ist auf Platz 4! Wahnsinn, oder?

[Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Konsumausgaben]

Verglichen mit den Ergebnissen des “Word Happiness Reports” der UN, Stand 2018, ergibt sich Folgendes: Die Vereinigten Staaten sind auf Platz 18 und Deutschland auf Platz 15 der Länder mit den glücklichsten Menschen. China und Japan sind auf Platz 86 bzw. 54 gelandet. Allerdings stehen auf der Liste auch nur 156 Ländern anstatt 174.

[Quelle: https://s3.amazonaws.com/happiness-report/2018/WHR_web.pdf]

Dass China im World Happiness Report so schlecht abschneidet, finde ich besonders interessant. Dies vor allem wenn man bedenkt, dass etwa die Hälfte aller Buddhisten dort lebt, bei denen Achtsamkeit und Meditation eine große Rolle spielen – die wiederum zu einem glücklicheren Leben führen sollen. Ist es der Konsum der die Menschen dort unglücklich werden lässt? Welchen Einfluss hat Konsum auf die Zufriedenheit und das Glück eines Menschen? Für mich bedeuten diese Erhebungen jedenfalls ganz klar, dass Konsum eben nicht glücklich macht, zumindest nicht langfristig gesehen.

Was aber macht einen Menschen denn nun glücklich? Genau mit dieser Frage hat sich Statista.de beschäftigt und 2018 eine Umfrage in Deutschland hierzu gestartet. Auf Platz 1 ist mit ganzen 89% das Thema Gesundheit gelandet. Auf den weiteren Plätzen landeten Partnerschaft (79%), Familie (74%), Menschen (68%), Eine Aufgabe (64%), Kinder (62%), Beruf (59%), Erfolg (51%), Freunde (51%), Geld (47%), Hobby (46%), Gutes tun (41%) und Glaube (25%). Zwar glaubt etwas weniger als die Hälfte der Befragten, dass Geld glücklich macht – jedoch sind die Themen die nichts mit Konsum zu tun haben auf der Liste weit vorne. Als ich mich selbst gefragt habe was mich glücklich macht, bin ich auf ein ähnliches Ergebnis gekommen – dieses Ergebnis verwundert mich insofern nicht. Übrigens: Auch auf die Frage “Was bedeutet für Sie Glück?” von Statista.de hatten sämtliche der Antworten nichts mit Konsum zu tun. Lediglich der Punkt “Keine Geldsorgen” findet sich mit 71% auf der Liste wieder. Aber wen machen Geldsorgen schon glücklich? Ich kenne niemanden.

[Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/818/umfrage/was-gluecklich-macht/]

[Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/596669/umfrage/bedeutung-von-glueck-in-deutschland/]